


Kein anderer Künstler hat die Popkultur so geprägt wie „His
Bobness“. Längst wird sein Schaffen als Gesamtkunstwerk wahrgenommen.
Maler, Autor, Poet und noch immer Rockstar – Bob Dylan.
2011 wurde er 70 Jahre alt. 2012 jährt sich die Veröffentlichung seines ersten Albums zum 50. Mal. Noch immer spielt Dylan über 100 Konzerte im Jahr mit seiner Band. Und noch immer polarisiert er sein Publikum. Kurz gesagt: er ist noch immer relevant.
Und das ist umso erstaunlicher wenn man bedenkt, dass seine Plattenfirma schon zu seinem 30. Bühnenjubiläum 1992 allmählich damit begonnen hat, sein Lebenswerk zu ehren. Mit anderen Worten: ihn langsam in den Ruhestand zu verabschieden. Damals versammelte Columbia Records die ganz Großen im New Yorker Madison Square Garden und ließ sie dem Meister jeweils ein Ständchen singen. Aus dessen eigenen Repertoire versteht sich.
Johnny Cash sang „It Ain’t Me Babe“, Neil Young coverte “All Along The Watchtower”. Eric Clapton, George Harrison, Stevie Wonder, Lou Reed – sie alle kamen um dem großen Bob Dylan die Ehre zu erweisen. Der wiederum hatte verständlicherweise wenig Bock auf so viel Lobhudelei und soff sich ordentlich einen an. Am Ende des Abends durften dann noch mal alle zusammen auf die Bühne und gaben „Knockin’ On Heaven’s Door“ zum Besten, bevor wieder alle ihre eigene Wege gingen.
Columbia brachte das Konzert 1993 als Doppel-Live-Album auf den Markt und gab damit den Startschuss für eine ganze Reihe Bob-Dylan-Tribute Sampler.
Zuletzt wurden 34 Künstler zusammengetrommelt, um für den Soundtrack zum Film „I’m Not There“ Dylan-Songs zu covern. Jack Johnson, die Black Keys, Sonic Youth und andere „zeitgenössische“ Musiker nahmen die Einladung dankend an.
2012 nun also der nächste Tribute-Sampler. Diesmal noch
größer – fast 80 Songs auf 4 CDs – und für den guten Zweck. Wie der Name schon
sagt wurde der Sampler für die Hilfsorganisation „Amnesty International“
zusammengestellt. Alle beteiligten Künstler, Produzenten, Toningenieure etc.
verzichteten auf ihre Gage. Der Erlös aus den Verkäufen geht an Amnesty. Logisch,
dass versucht wurde, eine möglichst breite Zielgruppe abzudecken. Anders ist es
nicht zu erklären, was Bubblegum-Pop-Sternchen wie Miley Cyrus und Maroon 5 auf
diesem Sampler landen konnten. Klar auch, dass bei fast 80 Coverversionen nicht
alle überzeugen können. Aber interessant ist „Chimes Of Freedom“ für Musikfans
allemal.
Gerade die Bands, die nicht vor Ehrfurcht erstarren und sich trauen, ihre Versionen vom Original zu lösen (Queens Of The Stone Age, Bad Religion) geben dieser Zusammenstellung durchaus eine Berechtigung. Und wer weiß, vielleicht kommen ja einige Myley Cyrus Fans über diesen Umweg zu Bob Dylan. Damit hätte „Chimes Of Freedom“ dann schon zwei gute Zwecke erfüllt.